Wie schon meine Oma sagte: „mit Speck fängt man Mäuse“.

In ihrer Rede am Donnerstag, 20.06.2019, dem Gedenktag zur Befreiung Leóns von der Diktatur Somozas, teilte die Vizepräsidentin Rosario Murillo mit, dass an diesem Tag offiziell das Gelände für den Bau des neuen Universitäts-Krankenhauses Oscar Danilo Rosales (Hospital Escuela Oscar Damilo Rosales Arguello – HEODRA) übergeben wird.

Das neue HEODRA soll in Zukunft das größte Krankenhaus des Landes sein. Rosario Murillo sagte: “Celebrando la vida, agradecidos a Dios por la vida sangrada de todos nosotros promoviendo obras como estas, de salud, luz, cariño, y vida. Será el hospital más grande construido en Nicaragua” („Das Leben feiernd, Gott dankbar für das blutende Leben von uns allen, fördern wir Werke wie dieses von Gesundheit, Licht, Zuneigung und Leben. Es wird das größte Krankenhaus in Nicaragua sein“, kündigte RM an.“)

Dieses Krankenhaus wird eine Fläche von 35.685 Quadratmetern haben, 461 Betten und wird mit einer Investition von 105,8 Millionen Dollar gebaut werden, sagte Vizepräsidentin Murillo. Es wird über die Spezialitäten der Chirurgie, Physiotherapie, Ophthalmologie, Psychiatrie, Onkologie, Nephrologie verfügen. Darüber hinaus werden Rehabilitationsleistungen, Chemotherapie, Dialyse, Hämodialyse, Tomographie, Endoskopie, Intensivmedizin, Transplantationen und Untersuchungen mit Kernspinresonanz angeboten werden.

Weiter sprach die Vizepräsidentin RM: „¡Cuánto amor a la vida, cuánto respeto a lo sangrado a la vida, cuánta, fe, cuánta esperanza y cuánta determinación honrando a ese pueblo heroico de León, primera capital de la Revolución, con el inicio de la construcción de un nuevo hospital!“, exclamó. („Wie viel Liebe zum Leben, wie viel Respekt vor dem Blut des Lebens, wie viel Glauben, wie viel Hoffnung und wie viel Entschlossenheit, das heldenhafte Volk von León, der ersten Hauptstadt der Revolution, mit dem Beginn des Baus eines neuen Krankenhauses zu ehren“, erklärte RM.)

„EL19Digital“ (digitales Medium der FSLN) fährt im Bericht fort: 

„Schwester Rosario Murillo berichtet, dass es in León eine Vielzahl von Aktivitäten gibt, die die „libertäre Ephemeride“ und den christlichen Geist unseres ganzen Volkes, aller unserer „Ephemeriden“, ehren, weil wir mit christlicher Liebe kämpfen, um uns zu befreien und mit christlicher Liebe zu leben“.

„NO VOLVERÁN, NO PASARÁN“ – „hier gibt es keinen Hass, der in unseren Herzen nistet, hier gehen wir vorwärts, mit Liebe, Stärkung des Christentums, mit Frieden und in Solidarität. Ein großes Werk für ein großes Volk, für das Volk von León, und für das heldenhafte, mutige, furchterregende Volk unseres ungeschlagenen Nicaragua. Weil sie es nicht besiegen konnten und es auch nicht besiegen werden können – weil Jesus hier für immer regiert“, bekräftigte Vizepräsidentin Rosario Murillo (laut dem Bericht von EL19Digital, dem digitalen Medium der FSLN).

ZURÜCK zu unserem POST:

Der Leoner Bevölkerung ist zu wünschen, dass dieses grosse Projekt solider geplant und angelegt ist (vor allem aber auch von der üblichen Korruption verschont bleibt), als der ruhmreiche „CANALE GRANDE“ – vor allem aber, dass es bald realisiert ist, denn das bisherige HEODRA (1963 von Somoza als modernstes Hospital der Sozial-Versicherung nach nordamerikanischem Vorbild gebaut) zeigt schon seit langem recht bedrohliche Risse durch die immer wieder auftretenden Erdstösse. Immer wieder wird spekuliert, ob es das nächste schwerere Beben überstehen wird.

ERINNERN WIR UNS (mit etwas nüchternen und sachlicheren Worten):

León, eine der lebendigsten und schönsten Städte Nicaraguas („León – ciudad religiosa – poetica – artistica y revolucionaria“) ist seit 30 Jahren Partnerstadt von Hamburg, wo trotz all der „Turbulenzen“ vor Ort das ganze Jahr über Veranstaltungen zu diesem 30-jährigen Jubiläum stattfinden. Von León wird gesagt, es ist die „Wiege“ des Sandinismus – der sandinistischen Befreiungsbewegung. León wurde 1979 als erste nicaraguanische Stadt (lange vor Managua) vom Regime des Diktators Somoza befreit.

Dora Maria Tellez, eine der bekanntesten Kommandantinnen der sandinistischen Befreiungsarmee vollbrachte mit ihrer Truppe nach schweren Kämpfen diese tolle Leistung. Schon seit langem hat sie sich vom Daniel Ortega und „compinches“ losgesagt – war Mitbegründerin der MRS, der Renovationsbewegung der Sandinisten.

Es spricht also alles dafür, unserer Partnerstadt León zu wünschen, dass dieses „neue Universitätskrankenhaus“ so schnell wie möglich gebaut ist und seinen Betrieb aufnehmen kann.

BLEIBT ABER TROTZ ALLEM DIE FRAGE BESTEHEN:

Kann die derzeitige Regierung, die seit über einem Jahr den „Ruf nach Freiheit, Demokratie und Gerechtigkeit“ der Zivilbevölkerung äusserst blutig und gewaltsam durch Polizei und Paramilitärs unterdrücken lässt – kann diese Regierung damit auslöschen oder gar wieder gutmachen, DASS im HEODRA, diesem Universitätskrankenhaus Leóns, in der Hochzeit der Kämpfe 2018 schwerstverletzte Demonstrantinnen und Demonstranten auf Anordnung derselben Regierung abgewiesen wurden und danach wegen der fehlenden oder verzögerten Behandlung starben – DASS Polizei und Paramilitars das HEODRA durchkämmten und nach verletzten Demonstranten/Innen suchten, um sie danach gewaltsam zu verschleppen – DASS auf Anordnung des Gesundheitsministerium Dutzende erfahrener Ärzte, Ärztinnen, erfahrene Spezialisten, Schwestern und Pfleger entlassen wurden, weil sie gegen diese Massnahmen protestiert haben oder trotzdem Notfälle behandelt haben.

WARTEN WIRS AB – das geplante Krankenhaus ist jedenfalls dringendst nötig !

Kleine Bemerkung am Rande: der Schreiber dieses Beitrags hat von 1992 bis 2000 als „medico de base“ und Dozent an diesem grossartigen Krankenhaus gearbeitet und fühlt sich ihm also in vielem noch sehr eng verbunden – es war immer wieder schmerzhaft in den vergangenen Monaten im „Netz“ zu sehen, wie Kollegen und Kolleginnen aus dieser Zeit von den beschriebenen Repressionen betroffen waren !

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