PROTESTWELLE GEHT WEITER

Auch am Wochenende hielten die gewaltsamen Proteste im ganzen Land an. Bei den blutigen „Kämpfen“ gegen die Rentenreform waren bisher über 30 Menschen getötet worden. In der Hauptstadt Managua und anderen Städten demonstrierten Tausende Menschen und lieferten sich Strassenschlachten mit der Polizei und schwerbewaffnetem Militär. In der Stadt Bluefields an der Atlantiküste wurde am Samstag der Journalist Angel Eduardo Gahona durch einen Kopfschuss getötet, während er die Proteste filmte und per Facebook live übertrug.

Da die geplanten Änderungen im Rentensytem erst am 1. Juli in Kraft treten sollten, sei noch Zeit zum Verhandeln, sagte Präsident Ortega am Samstag in einer Fernsehansprache: „Wir werden prüfen, was an dem Dekret verändert werden muss oder ob es erneuert werden sollte. Wichtig ist ein Konsens.“

Zahlreiche Menschenrechtler werfen den Sicherheitskräften vor, mit überzogener Gewalt gegen die Protestierenden vorzugehen. Gleichzeitig attackieren militante Gruppen der Regierungspartei die Demonstrierenden. Unabhängige Fernsehsender beklagen, nach Berichten über die Demonstrationen sei ihr Signal abgeschaltet worden.

Nach Angaben des Roten Kreuzes sind viele der Todesfälle auf Schusswunden zurückzuführen. Die Organisation sprach von landesweit mehr als 300 Verletzten, darunter auch viele Polizisten.

Als Bedingung für einen Dialog forderte der Unternehmerverband COSEP, dass die Regierung die Gewalt gegen Demonstranten einstellen müsse. Auch müssten die Jugendlichen und andere Gruppen der Zivil-Gesellschaft an den Gesprächen beteiligt werden.

Es ist die grösste und gewaltsamste Protestwelle seit Amtsantritt von Präsident Daniel Ortega im Jahr 2007.

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