Politischer Gefangener im Gefängnis „La Modelo“, Managua ermordet.

Eddy Antonio Montes Praslin (Erster von links), 56 Jahre, bei der Vorstellung durch die Nationale Polizei (Archivbild der Presidencia, Cortesia Confidencial).
 

Laut Innenministerium wurde der politische Gefangene Eddy Antonio Montes Praslin am Donnerstag, 16.05.2019, im Gefängnis von „La Modelo“ von einem Wächter ermordet. Die Institution der Regierung Ortega-Murillo versicherte, dass Häftlinge einen Aufstand gegen das Wachpersonal inszeniert und die Wachen „angegriffen“ hätten, sodass diese „in Notwehr“ gehandelt hatten.

„Eddy Antonio“ gehörte zu der Gruppe von Gefangenen, die das Gefängnispersonal aus dem Sicherheitsbereich angriffen, um an deren Waffen zu kommen. Laut Gefängnisleitung wurde nur ein Schuss abgegeben obwohl der angegriffene Wachmann ein automatisches Gewehr trug.

Quellen innerhalb des Gefängnissystems versicherten jedoch der Univision-Journalistin Tiffany Roberts und Confidencial, dass entgegen dem, was „Gobernación“ (Innenministerium) behaupte, mehr als ein Schuss abgefeuert worden war.

„Gobernación“ versicherte in seinen Kommuniqués, dass sich der Vorfall ereignete, „während das Internationale Komitee vom Roten Kreuz die Gefängnisse Tipitapa (La Modelo) und Integral de Mujeres besuchte. Allerdings steht die Bestätigung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, ob zum Zeitpunkt des Schusses tatsächlich seine Mitarbeiter vor Ort waren, noch aus.

Eddy Antonio Montes Praslin wurde im Oktober 2018 von der Nationalen Polizei entführt und danach in der ehemaligen Direction of Judicial Assistance (DAJ), besser bekannt als El Chipote, gefunden. Er wurde zusammen mit anderen Bürgern beschuldigt, „die Klinik der Polizei von Matagalpa geplündert und Teile des Bürgermeisteramtes von Matagalpa ausgeraubt und verbrannt zu haben. Die Staatsanwaltschaft schuldigte ihn des Terrorismus, des schwerwiegenden Raubüberfalls, der Behinderung der öffentlichen Dienste und der Brandstiftung an. Sein Verfahren war noch nicht beendet

Eddy Antonio Montes Praslin, 56, stammt ursprünglich aus Matagalpa und hat die amerikanische Staatsbürgerschaft. Er war einer von mehreren hundert politischen Gefangenen, die in verschiedenen Gefängnissen des Landes auf ihren Prozess warten, Er wurde „der Hirte“ genannt, weil er abendliche Andachten für seine Mitgefangenen in „La Modelo“ abhielt.

Dies ist nicht das erste Mal, dass in La Modelo derartige Vorfälle registriert werden. Vor dem Tod von Montes Praslin hatten die politischen Gefangenen der gleichen Galerie 16 im vergangenen März protestiert: Sie kletterten wegen der Misshandlung auf das Dach des Gefängnisses. Diesmal durchbrachen die Gefangenen einige verrottete Wände der Zellen.

Zahlreiche Zwischenfälle und Protestaktionen gab es auch in anderen „Galerien“ und anderen Gefängnissen, wie dem Frauengefängnis „La Esperanza“. In allen Fällen waren die Gewalt, Misshandlungen, Folterung und Vergewaltigung durch das Wachpersonal die Auslöser der kurzzeitigen Gefängnisunruhen.


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