NICARAGUA Teil 02

In den 1970iger Jahren geriet diese Politik Somozas in eine Krise. Diese erreichte nach dem Erdbeben 1972 einen ersten Höhepunkt, als Somoza viele Hilfsgelder selbst einsteckte.

1978 führte die Ermordung von Pedro Joaquin Chamorro, dem Anführer des oppositionellen Bürgertums,  durch die Nationalgarde, zum Zusammenschluss der revolutionären Kräfte, der im Sieg der sandinistischen Revolution am          19.Juli 1979 gipfelte.

Es wurde eine vorübergehende Regierung installiert, die unter der Führung der FSLN stand, der aber auch Vertreter anderer Oppositionsgruppen angehörten.

Die Zusammensetzung der Regierung unter der Führung der FSLN deutete damals noch auf ein weitgehend gut funktionierendes Verhältnis der verschiedenen Kräfte (FSLN, Konservative, Kirche etc.) hin.

Von 1980 – 1989 veränderten verschiedene innen- und außenpolitische Einflüsse, wie der Konflikt der beiden Machtblöcke USA und UDSSR die Verhältnisse. Die Folge war u.a. ab 1981 ein blutiger Bürgerkrieg in Nicaragua (Contra-Krieg) – eine Wirtschaftsblockade, der „Exodus“ vieler Fachkräfte und Akademiker sowie fragwürdige politische Wirtschaftsentscheidungen.

Erinnerung an die beginnende Inflation Mitte der 80iger Jahre

In diese Zeit fiel die „Iran-Contra-Affäre“. Weil der US-Kongress finanzielle Hilfe für die Contras ablehnte, unterstützte sie die US-Regierung unter Ronald Reagan nun heimlich über Waffenverkäufe an den Iran. Die Gewinne daraus wurden an die Contras weitergeleitet.

Der Contra-Krieg (1982 bis 1990) richtete in dem kleinen endlich befreiten Land verheerende Zerstörungen an, viele Familien wurden gespalten oder zerstört, da ihre Mitglieder in den verfeindeten Lagern kämpften.

Szenen aus einem Wandbild an der „Avenida de Bolivar“ in Managua, das die Eroberung und Geschichte des Landes darstellt. In den 80igern von „Canales“ erstellt und kurz nach Regierungsübernahme von Präsident Arnoldo Aleman übermalt und zerstört.

Insgesamt hat dieser Bürgerkrieg über 60.000 Menschen das Leben gekostet (bei etwa 4,5 Mio Bewohnern zu der Zeit) und auf beiden Seiten kam es zu schweren Menschenrechtsverletzungen.

1990 kam die Abwahl der sandinistischen Regierung durch die „kriegsmüde Bevölkerung“ –  „die Demokratie war nach Nicaragua zurückgekehrt“ (wie viele damals sagten) und in der Folge bis 2007 versuchten sich verschiedene liberale Regierungen mit ihren unterschiedlichen „Rezepten“.

Durch „pfiffige“ Veränderungen auf Initiative der FSLN gelang es dieser aber 2007 wieder an die Regierung zu kommen und diese mit ihrem Präsidenten Daniel Ortega Saavedra bis heute trotz Kritik vom In- und Ausland zu behalten.

Bei der Bewertung dieser aktuellen Phase des Landes muss man sicherlich viele einzelne Faktoren berücksichtigen. Wobei eine wichtige Komponente die jahrelange enge, nicht unumstrittene Zusammenarbeit zwischen Venezuela (beginnend mit der Regierung unter Hugo Chavez) und Nicaragua darstellt. Aus dieser Kooperation sind zweifelsohne zahlreiche grosse soziales Projekte hervorgegangen, die grossen Teilen der benachteiligten Bevölkerung zu Gute gekommen sind und jetzt nach dem quasi Zusammenbruch der venezolanischen Wirtschaft nur noch so „dahindümpeln“.

Gleichzeitig darf aber nicht verschwiegen werden, dass das aktuelle politische Leben in Nicaragua sehr stark gekennzeichnet ist durch die „Dominanz“ und die bis in die letzten Winkel des Landes reichende Machtposition der Regierungspartei sowie deren Anhänger – bei gleichzeitigem fast vollkommenen Fehlen einer adäquaten und kompetenzfähigen Oppositionspartei.

Insbesondere für bestimmte „Nichtregierungsorganisationen“ und die sogenannte „Zivilgesellschaft“ bedeutet dies eine deutliche Erschwernis ihrer Arbeit gegenüber früheren Jahren.

Parallel dazu laufen die Bestrebungen, das „Jahrhundertprojekt“ eines Kanals durch Nicaragua vom Atlantik zum Pazifik mit internationler Hilfe (besonders durch China) trotz massiver Proteste „verschiedener Lager“ zu realisieren. Für andere widerum die grosse Hoffnung auf Wohlstand und Entwicklung.

Bei all den kritischen Bemerkungen soll aber nicht verschwiegen werden, dass der unvoreingenommene Betrachter anerkennen muss, dass die Entwicklung gerade in den letzten zehn Jahren in Nicaragua deutlich vorangeschritten ist.