MÜLLSAMMLER

„Niños del Fortín“ – Projekt der müllsammelnden Kinder (1995 bis heute)

St.Pauli – „worldwide“

Aktuell reden wir nicht mehr vom Müllberg, denn vor einigen Jahren wurde dieser Müllberg auf dem „Fortín“ aus Gründen der Umweltbelastung und dem Rat von „Experten“ geschlossen und wächst langsam zu.

Inzwischen wurde eine neue Müllhalde aufgemacht, die vorrübergehend auch eine „Recycling-Anlage“ enthielt und nach gegenwärtigen Standards arbeiten sollte. Dies klappte dann leider aus verschiedenen Gründen nicht.

Eine der wichtigsten Ursachen für das Scheitern des „modernen Konzeptes“ war der Umstand bzw die Tatsache, dass man einigen Hundert Familien in ihrer Not und Perspektivlosigkeit nicht einfach ihre Lebensgrundlage, die Suche nach Verwertbarem im Müll, wegnehmen kann – ohne ihnen eine für sie praktikable Lösung anzubieten.

Müllsammler in León

Das hatte zu Folge, dass schon seit einigen Jahren das „schöne Konzept“ vom Recycling überwiegend auf die Strasse verlegt worden ist. Bei einbrechender Dunkelheit bis ins Morgengrauen ziehen die „MüllsammlerInnen“, Erwachsene, Jugendliche, Kinder, durch die Strassen Leóns und reissen die vor den Häusern stehen Müllsäcke oder -tonnen auf und suchen nach allem, was noch verwertbar ist.

Nur noch ein kleinerer Teil geht auf die Müllhalde. Die gefundenen „Güter“ werden dann entweder zu Hause gelagert oder wandern sofort in die „Acopios“, private Sammelstellen, die den Müll aufkaufen und weiterleiten – meist in die Hauptstadt Managua oder direkt nach El Salvador und Honduras.

Auch in Nicaragua kann „man“ mit Müll noch das „grosse Geld“ machen – aber ganz bestimmt nicht auf dem Niveau der „MüllsammlerInnen“. Die werden nämlich oft durch gefälschte Waagen oder, weil sie nicht lesen können, um den gerechten Lohn betrogen.

Die Kinder im Projekt „Niñas y niños del Fortín“ kommen aus diesen beiden Gruppen. Manche ziehen mit ihren Eltern durch die Strassen – manche gehen auf die Müllhalde.

Durch die an anderer Stelle beschriebenen Einschränkungen werden aktuell etwa 85 Kinder im Projekt betreut. Der Bedarf ist aber wesentlich höher.

All diese Kinder bekommen im Projekt täglich eine altersgerechte Ernährung (pro Jahr 22.000 Essen) – seit Bestehen des Programms wurden etwa 500.000 Mahlzeiten an die Kinder verteilt.


Schulbesuch ist Pflicht

Jedes betreute Kind/Jugendlicher hat pro Jahr etwa 1.100 Stunden zusätzlichen Unterricht bzw schulische Nachhilfe sowie Unterstützung bei den Lehrmitteln.

Daneben werden die Kinder/Jugendlichen regelmässig medizinisch in einem Gesundheitszentrum betreut und bekommen zusätzlich rekreative Aktivitäten wie Malen, Tanzen und Sport angeboten.

Die Betreuung der Familien findet in integraler Form, einschliesslich Fortbildungen statt – individuell und als Familie – bisher konnten über 5.500 Familien mit Problemen geholfen werden.

24 Jugendliche des Projektes haben bis 2016 das nicaraguanische Abitur (bachillerato) bestanden. 10 von ihnen konnten zur Universität gehen und 6 davon haben bereits die Universitätslaufbahn erfolgreich beendet.

Über 80 Prozent der Kinder/Jugendliche des Projektes haben die Arbeit auf und im Müll (nach UNICEF und OIM die schlimmste Form der Kinderarbeit)  endgültig verlassen – der Rest geht immerhin in die Schule und nur noch zeitweise in der „Freizeit“ Müll sammeln.

Besuch aus Hamburg (Auszubildende der BS27) im Projekt

Um die Patenschaft, das heisst, den Platz für ein Kind in dem Projekt, zu übernehmen, bedarf es 30 US$ bzw 25 Euro im Monat – durch jahrelange direkte, vertrauensvolle Zusammenarbeit und enge Verbundenheit wird gewährleistet, dass diese Spenden gesichert und kontrolliert den gefördeten Kindern voll und effektiv zugute kommen und die praktische Umsetzung jederzeit nachvollziehbar ist.