JAHRESBERICHT 2018

Hamburg, 13.12.2018

Liebe Freundinnen, liebe Freunde des Vereins „Kinderträume – Sueños de Niños“, Sehr geehrte Damen und Herren,

Wieder geht ein Jahr zu Ende und es wird Zeit, dass wir, vom Vorstand des gemeinnützigen Vereins „Kinderträume – Sueños de Niños“ e.V. berichten, was im abgelaufenden Jahr passiert ist und was wir mit Eurer/Ihrer Hilfe bewirken konnten.

Dieses Jahr fällt es mir, als Vorsitzender des Vereins und Schreiber dieses Rundbriefes, besonders schwer, über diese zwölf Monate zu berichten. Zuviel Schreckliches ist seit April in dem kleinen Land Nicaragua, dem „Land der Seen und Vulkane“ geschehen – und passiert noch immer täglich, ohne, dass ein Ende der Gewalt abzusehen ist und die Menschen wieder Frieden und Versöhnung leben können.

Ich kann nicht mehr zählen, wie oft ich im Netz in Videos und auf Fotos vom Geschehen Freunde, Bekannte, auch Kollegen aus meiner Zeit im Universitätskrankenhaus HEODRA León gesehen habe, wie sie oder ihre Angehörigen unter den Ereignissen zu leiden hatten bzw Opfer wurden. Oftmals fiel es mir sehr schwer, die Fassung zu bewahren und in ihre von Schmerz, Trauer und Wut verzerrten Gesichter zu sehen.

Zu guter Letzt zwangen mich die Ereignisse vor Ort, sowie gewisse persönliche Hinweise dazu, mein für Oktober gebuchtes Rückflug-Ticket nach Nicaragua verfallen zu lassen und ein Wiedersehen mit Nicaragua auf unbestimmte Zeit zu verschieben bis wieder demokratische Verhältnisse hergestellt sind und Menschenrechte für alle gelten.

Nach den letzten Nachrichten ist es bis dahin noch ein langer Weg – sehr langer Weg !

So wie es aussieht, wurde Hamburg als Sammelstelle für die „Refugiados“ aus Nicaragua, die in Deutschland wegen der Verfolgung durch das Regime „Ortega/Murillo“ Asyl beantragen, vorgesehen. Wir werden mithelfen, diese Aufgabe verantwortungsvoll und wirkungsvoll zu Unterstützen. Vielleicht wollen sie uns dabei helfen.

Einstweilen wünschen wir allen Freundinnen und Freunden von „KINDERTRÄUME – Sueños de Niños“ e.V. und allen die 2018 mitgeholfen haben, etwas Hilfe nach León zu bringen ein „friedliches und harmonisches Weihnachtsfest“ und einen „Guten Rutsch“ in ein hoffentlich friedlicheres „Neue Jahr 2019“.

In der Hoffnung auf Eure/Ihre Unterstützung auch im kommenden Jahr

Jurgen Steidinger Vorsitzender

Heidrun Bauer Vorstand

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Was hat das alles mit „unseren“ Projekten der Strassenkinder und „Kinder vom Müll“ in León zu tun.

Mit am tiefsten hat mich ein Satz von jugendlichen Demonstranten/innen getroffen, die in einem Interview berichteten: „Wir haben unsere Namen auf die Unterarme geschrieben, damit man unsere Leichen leichter indentifizieren konnte“

All diese Ereignisse hatten natürlich auch ihre Auswirkungen auf die gemeinsam mit Euch bzw Ihnen unterstützten Projekte „CHAVALADAS“ und „NIÑOS DEL FORTÍN“.

1. Beide Projekte, sowohl „Chavaladas“ wie auch „Ninos del Fortín“ haben das gesamte Jahr über wie immer gearbeitet: Eine warme „bilanzierte“ Mahlzeit am Tag sowie Getränke, tägliche Nachhilfe sowie Unterricht, sportliche und rekreative Aktivitäten, Mithilfe der Eltern und Beratung in schwierigen Situationen.

Allerdings war über Monate die Sicherheitslage auch in León sehr wechselnd – meist vor allem durch die die Stadt kontrollierenden Paramilitärs sehr angespannt. In der heissen Phase waren sämtliche Schulen wochenlang geschlossen und die Kinder konnten nur dann ins Projekt kommen, wenn die Eltern sich trauten, auf die Strasse zu gehen. Danach, so auch jetzt, sind zwar die Schulen wieder geöffnet, aber nur wenige Kinder kommen. Viele Familien sind noch traumatisiert und haben Angst – immer noch kommt es zu gewaltsamen Verschleppungen. Die Strassen sind nur am Vormittag etwas belebter – aber es gibt keinerlei Sicherheit. Immer noch existieren von den Stadtteil- Komitees (CPCs) des Regimes aufgestellte Listen von Verdächtigen, die verfolgt und verschleppt oder verhaftetet werden.

2. Inzwischen gibt es eine grosse Flut von „Refugiados“ (Flüchtingen). Allein in Costa Rica haben über 50.000 Menschen aus Nicaragua Zuflucht gesucht. Auch der Strom in die übrigen Länder der Region und nach Europa, vor allem Spanien und Deutschland, hat stark zugenommen.

Das hatte vor allem im Projekt der „Kinder vom Müll“ in den letzten Monaten dazu geführt, dass durch die Flucht zahlreicher Familien die Zahl der Kinder um etwa 30% weniger war. Während in „Chavaladas“ sich vor allem nachts mehr Strassenkinder sammelten, um der Gewalt der Paramilitärs zu entgehen.

Im Projekt „Niños des Fortín“ haben sich ausserdem zahlreiche Familien aufs Land zurückgezogen, da sie vorübergehend in León ihre „Lebensgrundlage“ nicht mehr „gesichert“ sehen.

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3. Die jetzt schon über neun Monate anhaltende schwere Krise im Land hatte natürlich deutliche Folgen auf das gesamte Leben vor Ort. Viele Projekte sind in der Zeit finanziell in Bedrängnis geraten. So auch „unsere“ beiden Kinderprojekte.

Zum einen fiel ein sehr zuverlässiger Spender innerhalb Leóns aus. Die internationale Tourismus-Agentur, „Quetzaltreckers“, die sehr gemeinnützig tätig ist, hat das Projekt der Strassenkinder schon seit Jahre monatlich mit einer festen, grösseren Summe unterstützt. Wie viele andere Touristikunternehmen musste „Quetzaltreckers“ im Juni die Spenden einstellen und vorübergehend die Agentur total schliessen.

Zum anderen sind sämtliche Lebenshaltungskosten drastisch gestiegen und steigen immer noch. Der „Warenkorb“ (Wert von 48 Produkten des täglichen Lebens für eine 5- köpfige Familie) liegt inzwischen bei 466,50 US Dollar monatlich. Das heisst, die gesamten Kosten der beiden Projekte sind deutlich angestiegen.

4. Beim Personal hatte all dies zwei für die Projekte negative Auswirkungen.
Zum einen kam es zu Kündigungen von zwei langjährigen Mitarbeiterinnen, die wegen der tägliche Bedrohung auf dem Weg zum Projekt sich nicht mehr trauten, quer durch die Stadt zur Arbeit zu kommen.

Zum anderen erlauben es die Ressourcen der beiden Projekte, das heisst das aktuelle Spendenaufkommen der unterstützenden Organisationen in Hamburg (andere Unterstützer bzw Partnerorganisationen hatten sich wegen der schweren Krise im Land vollkommen zurückgezogen) gerade eben zum Erhalt der Projekte auf einem minimalen Niveau.

Das hat zur Folge, dass von den 16 Mitarbeiter/Innen der beiden Projekte seit Monaten kein einziger ein Gehalt bekommt, dass den Warenkorb (466,50 US Dollar) deckt. Entsprechend bekommen 13 der 16 Mitarbeiter/Innen ein Gehalt, das teilweise sehr deutlich unter der Hälfte des Warenkorbs liegt. Die restlichen drei liegen immer noch darunter. Die meisten können nur durch „Zweitjobs“, die sehr rar sind oder durch die Hilfe von anderen überleben.

Das hatte eine deutliche Fluktuation im Personal zur Folge, die sich natürlich schnell auf die Leistung der Projekte auswirken kann.

Was konnte und kann unser Verein „Kindertraeume“ in dieser Situation leisten:

Da „Kindertraeume – Sueños de Niños del Fortín“ noch ein sehr junger Verein in Hamburg ist, das heisst nur wenige offizielle Mitlgieder hat und sich die Zahl der regelmässigen Spender/Innen auch noch „in Grenzen hält“, lagen unsere finanziellen Mittel durch Spenden 2018 nur bei 4.808,55 EURO.

Insgesamt hatten wir im Zeitraum 2018 zweimal 2.000 EURO (im Mai und Dezember) für die Projekte überwiesen. Dieses Geld wurde dazu benutzt, die durch die Krise entstanden schweren finanziellen Einbussen in Teilen zu ersetzen.

Beide Projekte (vor allem aber Niños del Fortín) konnten nur weiterarbeiten, da zeitweise durch die gefährliche Sicherheitslage sich Eltern nicht trauten ihre Kinder ins Projekt zu schicken und deshalb weniger „Esser“ warteten.

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Die Prognose für 2019 ist also etwas schwierig, wenngleich von der Hamburger Senatskanzlei zusätzliche Unterstützung zugesagt wurde, um die Krise zu meistern.

Welche Aktivitäten wurden von „Kindertraeume“ in Hamburg unternommen.

Im zweiten Halbjahr konnten wir verschiedene öffentliche Veranstaltungen realisieren, die alle das Ziel hatten, die Menschen in Hamburg auf die drastischen Veränderungen in Nicaragua und in unserer Partnerstadt León aufmerksam zu machen. Viele Mitbürger/Innen, die in der Vergangenheit direkt oder indirekt mit Nicaragua bzw León zu tun hatten, können teilweise immer noch nicht verstehen, was da passiert ist?

Wenn sie bei dem geringen medialen Interesse überhaupt Information über das Geschehen hatten, war es für die einen (die noch in ihren Erinnerungen in den 80iger Jahren steckten) ein Putschversuch unter Beteiligung von Oppositionskräften, die von den USA, dem „Imperium“ unterstützt und aufgebaut werden

Während es für andere ein Volksaufstand ist, gegen die Regierung Ortega/Murillo und ihre neoliberale autoritäre und repressive Politik, die Nicaragua lange unbemerkt von der übrigen Welt erneut in eine „Familien-Diktatur“ wie vor der Revolution 1979 führt.

Unsere Veranstaltungen, zum einen im „Curio-Haus“ zum anderen im „Kulturschloss Wandsbek“ hatten beide den Ansatz darüber mehr Information zu geben und verfolgten dabei das Ziel, gleichzeitig auf unsere beiden Kinderprojekte aufmerksam zu machen.

Dazu diente vor allem auch die dokumentarische Foto-Ausstellung, die über die fast 30- jährige „Städtepartnerschaft Hamburg-León“, ihre Geschichte und ihre Projekte, informierte. Teil dieser Dokumentation waren viele dokumentarischen Fotos unter dem Motto: „Ein Bild ist nie vergessen, solange es Augen gibt, die es sehen“. Eindrucksvolle Texte aus León ergänzten die Information.

Diese Ausstellung, die nur mit finanzieller Unterstützung der Senatskanzlei möglich war (es wurden keine Spendenmittel dafür verwandt) wurde jeweils mehrere Wochen im HASPA – Finanz Center (am Grossen Burstah), im „Kulturschloss Wandsbek“ gezeigt und wird ab Ende Januar in der HASPA Filiale Volksdorf und danach im AEZ HASPA Poppenbüttel zu sehen sein. Neben der Information über das aktuelle Nicaragua weist die Ausstellung natürlich auch auf das „Jubiläum 2019“ der Städtepartnerschaft hin:

„30 Jahre Städtepartnerschaft Hamburg – León, Nicaragua. Partnerschaft zwischen zwei Städten. Beziehungen zwischen Menschen zweier Städte auf zwei Kontinenten“

An dieser Stelle sei ausdrücklich den betreffen Institutionen und ihren Mitarbeiter/Innen für diese Möglichkeit und die freundliche Hilfe und Organisation gedankt.

Organisatorische Aktivitäten

Seit April 2018 ist „Kindertraeume – Sueños de Niños“ e.V. auch im „Ciber“ vertreten. Unsere Webseite „kitra-kindertraeume.org“ ist online und berichtet regelmässig aus Nicaragua und aus den Projekten.

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Am 10.Oktober 2018 fand die Jahreshauptversammlung (Mitgliederversammlung) im Brakula statt. Dabei wurde neben dem Rechenschafts- und Finanzbericht auch eine Satzungsänderung (u.a. Verkleinerung des Vorstandes mit minimal 2 Personen) beschlossen und die bisherigen Verantwortlichen in ihrer Funktion bestätigt.

Ausblick nach 2019

Als erstes gilt es den Haushaltvorschlag des nicaraguanischen Vereins „Niños del Fortín“ abzusichern. Trotz intensiver Arbeit und Diskussion der drei beteiligten Hamburger Vereine (Nicaragua Verein, Freundeskreis Hamburg-Leon, Kindertraeume) und der Sentaskanzlei ist dabei immer noch eine Summe von etwa 10.000 US Dollar (etwa 8.000 EURO) nicht gedeckt.

Einige Funktionen der Projekte, wie z.B. die Komponente „Educación movil“ (Unterricht auf den Strassen in den Armen-Vierteln Leóns) konnten bisher wegen fehlender Finanzierung nicht wieder aufgenommen werden.

Als zweites ist es ganz wichtig, sobald wie möglich, Schritt für Schritt die Gehälter dem tatsächlichen Warenkorb anzugleichen.

Ausserdem mitzuhelfen, dass die Projekte die noch kommende schwierige Zeit (bisher gibt es noch keinen realen Lösungsansatz aus der Krise in Nicaragua) so gut wie möglich überleben. ______________________________________________________________________

Im Folgenden eine kurze Zusammenfassung der Ereignisse in Nicaragua

Seit Jahren schon gärte es in der Bevölkerung. Es herrschte Unzufriedenheit, Enttäuschung, und Hoffnungslosigkeit – zunehmend besonders nach 2007, dem erneuten Regierungsantritt von Daniel Ortega. Viele soziale Errungenschaften der „Revolution von 1979“ bestanden nur noch auf dem Papier. Die Landreform, kostenlose gute Schulbildung und Gesundheitsversorgung für alle, die Rechte für Frauen, Meinungsfreiheit waren nur noch „Schlagworte“.

Die gesamte Gesellschaft wurde doktriniert und terrorisiert von einer Partei und ihrer autoritären Struktur, die nur wenig mit der ursprünglichen Vision des „Sandinismus“ zu tun hatte. Die Gesellschaft und der gesamte Staatsapparat waren zersetzt von Korruption und „Vettern-Wirtschaft“ – angeführt vom Präsidenten-Paar Daniel Ortega / Rosario Murillo und ihrem Familien- und Partei-Clan, der sich an den „Wohltaten“ von Hugo Chavez und seinem venezolanischen Petroleum labte und bereicherte. Natürlich wurde dabei nicht versäumt, durch einige abfallende „Krümel“ und Wohltaten die „Untertanen“ bei Laune zu halten – bis Venezuela im Chaos versank und der „Petroleum-Dollar“ nur noch tröpfelte

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Bei all der Unzufriedenheit fehlte die letzten Jahre eigentlich nur noch der Funke, damit die Bombe hochging und sich die Wut der Bevölkerung entlud.

Mitte April war es dann soweit. Die Verkündung einer längst überfälligen Reform, der durch Korruption und Misswirtschaft kurz vor dem Konkurs stehenden Sozialversicherung INSS, war der Beginn des Dramas. Von der Regierung “ Ortega/ Murillo“ einseitig ohne Absprache mit den beteiligten „Sozialpartnern“ entschieden, löste sie in der Hauptstadt Managua und in unserer Partnerstadt Leon friedliche Demonstrationen von den betroffenen Rentner/innen aus.

1. Nach Einschätzung der Interamerikanischen Kommission für Menschenrechte, CIDH, begann die erste Phase des folgenden und noch andauernden Konfliktes mit der „Repression“ durch die Regierung und mit den Angriffen sandinistischer Strassenbanden, im Auftrag von Ortega/Murillo. Die Ortega hörige Polizei beobachtete anfangs nur ohne einzugreifen und schützte die „Prügelnden“. Es gab die ersten toten Demonstranten.

2. Die zweite Phase, die etwa zwei Monate dauerte, bestand in der Offensive des Regimes durch eine militärisch aufgestellte Polizei mit Kriegswaffen sowie vermummten Anhängern der Regierungspartei und Söldnern bzw Paramilitärs mit automatischen Gewehren gegen das Volk und die Arbeiterviertel. Die Bevölkerung wehrte sich mit „Gross-Demonstrationen“ in Managua, León und anderen Städten, wie sie Nicaragua seit Jahrzenten nicht mehr erlebt hatte. Immer wieder wurde von der Polizei gezielt in die Demonstration geschossen und jeden Tag kamen weitere Tote hinzu.

Die Bevölkerung wehrte sich mit Strassensperren und Barrikaden im ganzen Land. Zeitweise kam der transnationalen Transport durch Nicaragua zum Erliegen und die grossen Städte waren von der Versorgung mit Grundnahrungsmitteln vom Land abgeschnitten. Vor allem in Managua, aber auch in León plünderten aufgehetzte Banden gewaltsam die grossen Supermärkte untern den Augen der Polizei. Dabei konnte man in Videos weltweit miterleben, wie immer wieder die demonstrierende Bevölkerung den Plünderern ihr „Diebesgut“ abnahm und wieder in die Supermärkte zurückbrachte.

Mehrmals gab es tageweise nationale Streiks, die fast alles stoppten lahm legten.

Über Wochen kam es immer wieder tagelang zu Auseinandersetzungen, die den „Bildern“ in der Schanze beim Hamburger G20-Gipfel sehr ähnlich waren. Allerdings mit dem grossen Unterschied, dass die demonstrierenden Massen unbewaffnet waren und teilweise von Scharfschützen der Polizi und Paramilitärs auf sie gefeuert wurde.

Durch einen Erlass des Gesundheitsministeriums wurde und wird immer noch allen staatlichen Krankenhäusern untersagt, Verletzte aus Demonstrationen aufzunehmen, „Erste Hilfe“ zu leisten oder sie zu behandeln. Polizei und Paramilitärs durchforsten immer noch die Hospitäler nach Teilnehmern am Widerstand und verschleppen sie.

3. Die dritte Phase war die Zeit der „Säuberungsaktionen“. Sie bestand in der Inhaftierung, Entführung, Folter und wahllosen, gerichtlichen Anschuldigungen gegen Dutzende von Menschen, die am Widerstand beteiligt waren oder es immer noch sind. Dabei spielt das ehemalige Foltergefängnis SOMOZAS, „El Chipote“ mitten in Managua eine zentrale Rolle. Viele der Verschleppten und Verhafteten (auch aus León) werden dort unbegrenzt lange festgehalten, während die Familien und Rechtsanwälte keinerlei Zugang haben bzw nichts vom Aufenthaltsort wissen.

Seit Ende April sind all die Monate Menschen, Jugendliche, Frauen und Männer, verschwunden. Viele von ihnen landeten vor allem in „El Chipote“ und werden dort gefoltert, vergewaltigt bevor sie in Gefängnissen verschwinden – andere werden ohne Rechtsbeistand unter Terror-

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Vorwürfen (entsprechend einem im Juli erlassenen verschärften „Anti-Terror-Gesetz“) zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt.

Nicaragua feiert dieses Weihnachten 2018 mit 565 politischen Gefangenen. Während CENIDH (Nicaraguanisches Zentrum für Menschenrechte), das auch in Hamburg sehr bekannt ist und unterstützt wird, angibt, dass 565 politische Gefangene in den Gedängnissen sind, wobei die Regierung Ortega/Murilo nur 272 als solche anerkennt.

In den 70iger Jahren, während der Diktatur Somozas, wurden insgesamt etwa 200 politische Gefangene gezählt. Ab 1972 begann die damalige Diktatur das Zeremoniell „Navidad sin presos politicos“ (Weihnachten ohne politische Gefangene) einzuführen.

Derzeit sieht es nicht danach aus. Im Gegenteil seit einigen Tagen hat die Regierung damit begonnen anerkannten gemeinnützigen Nichtregierungsorganisationen (NGOs), die gegen sie sind, durch das Parlament den offiziellen Status als NGO zu entziehen und sie damit aufzulösen und das gesamte „Vermögen“ der Organisation zu konfiszieren. Als Begründung wird dabei angeführt, dass diese Organisationen mit Hilfe und Finanzierung durch die USA-Regierung einen „Putsch“ angezettelt hätten. Weitere NGOs stehen auf der Liste der Beschuldigten.

CENIDH wurde am 12.12.2018 Opfer dieser perversen Gewalt-Politik von Ortega/Murillo. Dra.Vilma Nuñez, eine weltweit bekannte Rechtsanwältin aus León, die schon mehrmals auch in Hamburg war, ist Direktorin von CENIDH. Sie war im Befreiungskampf gegen Somoza bereits aktiv und war in einem der damaligen Foltergefängnisse, dem „El Fortín“ in León, „behandelt“ worden.

4. Inzwischen sprechen die nationalen und internationale Beobachter-Organisationen von der UNO, OAS, EU sowie Amnestie International u.a. von einer vierten Phase bzw davon, dass sich Nicaragua in einen Polizeistaat vom „Muster Chile unter Pinochet“ entwickelt hat. Alle bisher mit dem Thema befassten internationalen Beobachter kamen mit geringen Abweichungen zum selben Urteil: die Verurteilung der Regierung Ortega/Murillo als die Verursacher der schweren blutigen Repression durch die ihr hörige reguläre Polizei (Oberster Polizeichef des Landes ist der Schwiegervater von Ortegas Tochter), Paramilitärs und der Regierung nahe stehenden Banden.

Nur die „sozialistischen Bruderstaaten“ (Cuba, Venezuela, Bolivien) halten ungebrochen zu Ortega und Co – einig im Verletzen von Menschenrechten und Demokratie. Immer wieder wurde bei Zeugenbefragungen bestätigt, dass cubanische Staatsbürger bei den Blockaden auf seiten der Paramilitärs gesehen wurden bzw bei Folterungen anwesend waren.

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5. Die nächste Zukunft scheint schwer vorhersehbar zu sein. Die Regierung Trump hat die letzten Monate begonnen mit dem Gesetz „Magnitzky“ und aktuell der Installation des Gesetzes „NicaAct“ die Schrauben anzuziehen, indem sie weltweit die Gelder bestimmter Mitglieder der Regierung Ortega/Murillo, des Familien- und Partei-Clans und bestimmter beschuldigter Funktionäre des Staates „einfriert“ und Nicaragua für nächstes Jahr den Zugang zu Geldern von Weltbank-, FMI-Geldern und anderen Finanzquellen entzieht.

Die Leidtragenden sind dann wie gewohnt all die Menschen in Nicaragua, denn in vielen Bereichen kann die Regierung ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen. Schon jetzt belaufen sich die wirtschaftlichen Verluste des Landes auf über 950 mio US Dollar. Über 150.000 Menschen verloren seit April 2018 ihren Arbeitsplatz – vor allem im Tourismussektor, der fast vollkommen zum Erliegen gekommen ist.

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Zum Schluss möchten wir uns im Namen aller Beteiligten, der Kinder und Jugendlichen in „Chavaladas“ und „Niños del Fortín“, des gesamten Personals, besonders auch im Namen von Lic.Amalia Cuadra und auch der Familien, ganz herzlich bei allen für ihre Unterstützung und hoffen auch für 2019 auf Eure/Ihre Hilfe.

Wir wünschen Euch/Ihnen allen ein friedliches und harmonisches Weihnachtsfest und für das kommende Jahr 2019 von Herzen „ALLES GUTE“.

Für „Kindertraeume – Sueños de Niños“ e.V.

Dr.Jurgen Steidinger Vorsitzender

Heidrun Bauer Vorstand

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