Hamburg stoppt Zahlungen an Partnerstadt León

In der Online-Ausgabe vom 25.06.2018 berichtet das Hamburger Abendblatt  unter dem Titel „Hamburg stoppt Zahlungen an Partnerstadt León“, dass der Hamburger Senat die Zahlungen an die Partnerstadt León in Nicaragua wegen der anhaltenden, gewaltsamen Auseinandersetzungen gestoppt hat. Betroffen sind davon ausschliesslich die Projekte, die ihre Mittel aus Quellen der Hansestadt Hamburg bekommen.

Der Senatssprecher Jörg Schmoll sagte dazu auf Frage des Hamburger Abendblatts, wann die Hilfe wieder aufgenommen wird : „Ob und wann diese (Mittel) abfließen, wird von der Entwicklung in Nicaragua und León abhängen.“ Seit Beginn der Unruhen im April sei kein Geld mehr überwiesen worden.

Nach Bekanntwerden dieser Mitteilung in der Online-Ausgabe des Abendblatts, schrieb der Verein „Kindertraeume – Sueños de Niños“e.V.  einen Brief an den Senatssprecher Jörg Schmoll, in dem die Empörung zum Ausdruck kommt, dass mit dieser Blockade die aus dem „Restcent-Fond“ finanzierten sozialen Projekte, wie das Projekt der Müllsammler-Kinder „Niños del Fortin“ empfindlich getroffen und geschädigt werden.

Wie Schmoll erklärte, sollte mit der Blockierung verhindert werden, dass die Gelder, mit denen der Hamburger Restcent-Fond über die Stadtverwaltung von León Wasser- und Abwasserprojekte finanziert, in die Hände der Regierung kommen könnten.

Dabei wird aber ausser Acht gelassen, dass die Hilfe für die sozialen Projekte schon seit langem ausschliesslich über vertrauenswürdige lokale, gemeinnützige nicaraguanische Institutionen abgewickelt wird und die Stadtverwaltung darauf keinerlei Zugriff hat !

Den Wortlaut des Briefes im Folgenden:

An den Sprecher des Senats der Hansestadt Hamburg

z.H. Herrn Jörg Schmoll (joerg.schmoll@sk.hamburg.de)

Betrifft:  Artikel  Hamburger Abendblatt  Online Ausgabe vom 25.06.2018

Sehr geehrter Herr Schmoll,

mit grossem Erstaunen oder besser gesagt mit grosser Empörung haben wir den Artikel in der neuesten Online-Ausgabe des Hamburger Abendblatts vom 25.06.2018 mit dem Titel „Hamburg stoppt Zahlungen an Partnerstadt León“ gelesen, in dem Sie mehrmals zitiert werden. Dies veranlasst uns, Ihnen diesen Brief zu schreiben.

Erster Absatz: Wegen der massiven gewaltsamen Auseinandersetzungen mit Dutzenden Toten hat der Hamburger Senat die Zahlungen an die Partnerstadt León in Nicaragua einstweilen gestoppt. Hilfsprojekte in der zweitgrößten Stadt des mittelamerikanischen Landes seien aus dem Haushalt für dieses Jahr 70.000 Euro vorgesehen, sagte Senatssprecher Jörg Schmoll. „Ob und wann diese abfließen, wird von der Entwicklung in Nicaragua und León abhängen.“ Seit Beginn der Unruhen im April sei kein Geld mehr überwiesen worden.

Zweiter Absatz: Der Senat will offenbar verhindern, dass Hamburger Geld an die Sandinisten-Partei fließt, die für die vielen Morde verantwortlich gemacht wird.

Wir nehmen an, diese Worte gehen auf direkte Äusserungen von Ihnen zurück und möchten deshalb dazu wie folgt Stellung nehmen:

Wie Sie sicher wissen, gehen die oben erwähnten Gelder des Restcentfonds nur zu einem Teil über die Leóner Stadtverwaltung in Projekte für Wasser und Abwasser. Ein anderer Teil geht direkt in soziale Projekte, wie das Projekt „Niños del Fortín“, das Kindern und Jugendlichen seit über zwanzig Jahren erfolgreich hilft, den Weg in eine gerechtes und würdiges Leben zu finden. Dutzende von Kinder haben in der Zeit durch die Hilfe des Projektes das Abitur gemacht – mehrere einen Universitätsabschluss. Welches Hamburger Projekt hat Vergleichbares vorzuweisen: vom Müllbergkind an die Universität – nach dem Motto: OHNE BILDUNG – KEIN ENTKOMMEN AUS DER ARMUT – KEINE ENTWICKLUNG.

Wie wir Ihren Ausführungen entnehmen, sollen auch für dieses Projekt die Hamburger Mittel gestoppt werden, obwohl es überhaupt nichts mit der Stadtverwaltung von León zu tun hat und durch einen nicaraguanischen gemeinnützigen Verein „Asociación Niños del Fortín“ betrieben wird, der jahrzehntelang mit Hamburger NGOs enge Verbindungen hat. Im Gegenteil, Projekte wie dieses und das ebenfalls von Hamburg unterstützte Projekt der Strassenkinder („Chavaladas“) stehen auf der „schwarzen Liste“ der derzeitigen Regierung, weil sie Kindern und Jugendlichen klar machen, welche Rechte sie haben und dass diese Rechte zu verteidigen sind.

Es gibt deshalb unserer Meinung nach keinerlei Rechtfertigung diesem Projekt „Niños del Fortín“ irgendwelche zugesagten Mittel vorzuenthalten – noch viel weniger, wenn man bedenkt, dass durch die derzeitige Situation in dem kleinen Land Nicaragua in vielen Bereichen schwere Engpässe bestehen und die Preise für Nahrungsmittel stark angestiegen sind.

Es ist sicherlich wesentlich leichter von einer Hamburger Amtstube aus, solche Entscheidung zu treffen und Mittel einzufrieren. Für das betroffene Projekt und dessen Kinder und Jugendlichen bedeutet dies allerdings einen enormen Schaden.

Vielleicht fragen Sie sich, warum wir so vehement reagieren – nur soviel dazu (den Rest aus meiner „vita“ im Attachment) – ich habe vor über zwanzig Jahren die beiden Projekte zusammen mit nicaraguanischen Sozialarbeitern und Psychologen gegründet und sehe es seit der Zeit als eine meiner Aufgaben an, zwei solch erfolgreichen Projekten zu helfen ihre Arbeit und Mision erfüllen zu können.

„Kindertraeume – Sueños de Niños“ e.V. steht über die Leiterin der Projekte, Lic.Amalia Cuadra, in fast täglichem direkten Kontakt mit León. In der Hoffnung, dass es möglich ist (vor allem auch im Verbund mit den anderen Hamburger NGOs) gemeinsam die beiden Projekte durch diese schwierige Zeit zu bringen, die sehr wahrscheinlich noch Monate anhalten wird.

Mit freundlichen Grüssen

für den Verein „KINDERTRAEUME – Sueños de Niños“ e.V.

Dr.Jurgen Steidinger (Vorsitzender)                       Heidrun Bauer (Stellvertreterin)

Dieser Brief geht in Kopie an:

Nicaragua Verein Hamburg, Freundeskreis Hamburg Leon

KO-Kreis, Koordinationskreis Hamburg León

Frau Cordula Weisst, Referat Entwicklungszusammenarbeit der Senatskanzlei, Städtepartnerschaft Hamburg León

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.