ANNA, Freiwillige im Projekt der Müllsammlerkinder

Hola, mein Name ist Anna, ich bin 19 Jahre alt und arbeite im Projekt „Niños del Fortin“ als Freiwillige. Ich bin jetzt 6 Monate hier. Alle nennen mich Anita. Die Arbeit hier gefällt mir sehr.

Am Morgen, bevor die Kinder kommen, haben wir immer Zeit den Ablauf des Tages mit den Lehrern des Projektes zu planen. Wenn die morgendliche Gruppe dann da ist, helfe ich den Kindern bei den Schulaufgaben, male mit ihnen und manchmal gehe ich mit ihnen in die “ juegoteca“, den „Spielsalon“, und zeige ihnen Spiele oder Handarbeiten.

Am meisten gefallen den Kinder meine Handarbeiten. Leider kann ich diese Handarbeiten nur mit wenigen Kindern machen. Zum einen ist es schwer sechs oder mehr Kindern gleichzeitig etwas zu erklären und ausserdem ist es für einige sehr schwer mit den Nadeln umzugehen.

Aber obwohl wir nur geknüpfte Armbänder gemacht haben, sind sie sehr glücklich darüber und stolz darauf, etwas selbst gemacht zu haben. Das freut mich sehr.

Später sind mehr Kinder im Projekt und es wird manchmal etwas stressiger, weil alle etwas machen wollen und Hilfe dafür suchen. Aber auch das gefällt mir, denn es gibt noch mehr zu tun.

Wir können zusammen in der Bibliothek lesen, spielen, sportliche Aktivitäten machen oder auch sowas wie kleine „workshops“, damit die Kinder noch mehr lernen. Niemals wird es uns langsweilig.

Um Mittag, gegen 12 Uhr, vor dem Essen muss alles wieder geordnet und eingesammelt werden. Viele Kinder gehen sehr verantwortungsvoll mit den Sachen um, bringen die Spiele zurück und helfen mir beim Saubermachen. Trotzdem gibt es auch immer welche, die ihren „eigenen Kopf“ haben und was anderes machen wollen, dann kann es manchmal etwas schwierig werden.

Dabei möchte ich nicht die Erzieher um Hilfe rufen, wenn ich mit einigen Kindern nicht klar komme – aber manchmal geht es nicht anders. Alle müssen die Regeln respektieren.

In letzter Zeit haben wir viel zu dem Thema „BITTE“ und „DANKE“ gearbeitet. Dazu haben wir an den Wänden des Projektes einige Bilder angebracht. Ich fühle, es hat sich schon einiges im Verhalten der Kinder geändert – vor allem auch untereinander. Das sehe ich als grossen Erfolg an.

Die Zeit ums Mittagessen ist unser „Ruhephase“. Da ist dann Zeit um mit einigen Kindern, Jugendlichen und mit den Lehrern zu reden und auch Kraft für den restlichen Tag zu sammeln. Manchmal ist aber auch die Zeit zu kurz um alle Fragen zu klären bzw zu beanworten. Dabei schmerzt es mich, NEIN zu sagen.

Gegen ein Uhr nachmittags beginnt die „Nachhilfe“ – eine Zeit die mich sehr fordert aber mir auch sehr viel gibt. Manchmal fällt es schwer alle zur Ruhe zu bringen, damit wir mit den Aufgaben anfangen können. Die Lehrerin, Alejandra, und ich sind danach fast immer erschöpft aber auch glücklich lächelnd, denn nichts kann schöner sein, als zu sehen, wie diese „Kids“ lernen und begreifen.

Für mich selbst war es nicht einfach ihnen das alles, rechnen, lesen und schreiben, in einer anderen Sprache zu erklären. Aber nichts übertrifft das Gefühl, wenn sie dann sagen: „Ahh – jetzt habe ich es verstanden“

In der letzten Zeit haben wir ne Menge Fortschritte gemacht. Dabei liebe ich es, mir Rätsel, Kreuzworträtsel und Scharaden auszudenken und sie dann mit ihnen als „Belohnung“ zu spielen. Dann können sie meist nie genung davon bekommen. Eine grosse Freude und Befriedigung für mich.

Ich bin sehr glücklich im Projekt „Niños del Fortín“ arbeiten und helfen zu können. Auch wenn ich fast jeden Tag ziemlich erschöpft nach Hause komme. Trotzdem stehe ich jeden Morgen wieder mit neuen Ideen und Lust auf das Projekt auf.

Es gibt noch einiges, das ich in meinem restlichen halben Jahr hier machen möchte. Ich würde den Kindern gern innerhalb der „escuela movil“ mehr über das Thema „Gesundheit“ beibringen.

Erklärung: die „escuela movil“ ist ein Projekt iniziiert von einer Gruppe in Belgien. Dabei gehen Erzieher mit einer mobilen Einrichtung, fast wie ein mobiles Klassenzimmer, in verschiedene „Problemstadtteile“ um Kinder und Jugendliche auf der Strasse unterrichten.

Ausserdem würde ich gern noch mehr Handarbeiten zeigen und kleine Ausflüge und „Picknicks“ mit den Kindern machen .

Mal sehen, was in den nächsten Monaten noch passiert. Ich freue mich auf alle Fälle sehr, dass es so toll mit den Kindern klappt.

Übersetzung des Briefes von Anna, die z.Z. als freiwillige Helferin im Projekt „Niños del Fortín“ mitarbeitet.

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